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Aufbau einer Bündnispädagogik

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BLÖCKE
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MIRO

Kurzbeschreibung

Das Projekt BRIDGES zielt auf die Bekämpfung von Rassendiskriminierung und strukturellem Rassismus in Hochschuleinrichtungen in der Europäischen Union ab. Zu diesem Zweck geht es von der Idee aus, dass mögliche Lösungen nur dank einer Reihe von Allianzen zwischen unterschiedlichen Organisationen möglich sein werden. Ausgehend von diesem Rahmen stützt sich dieser Workshop auf die Erfahrungen der politischen Organisation des PAR Barcelona und schlägt die Idee einer Pädagogik des Bündnisses als Mittel vor, um die Bedeutung des Aufbaus von Verbindungen und der Fortführung von Care-Politik in der antirassistischen Arbeit innerhalb der Universitäten zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird die Arbeit auf zwei verschiedenen Ebenen durchgeführt. Einerseits während der Vorbereitung der Aktivität durch die Dozierenden, durch die Schaffung von Verbindungen mit relevanten sozialen Akteur:innen außerhalb der Hochschuleinrichtung, in der der Kurs stattfindet. Diese „Verbündeten“ werden zu Mitgestalter:innen und Teilnehmer:innen der Aktivität, die im Unterricht stattfindet – die zweite Ebene der Arbeit im Workshop. Dieser Workshop, dessen empfohlene Dauer 3 Stunden beträgt (siehe unten), zielt darauf ab, in kleineren Gruppen über die Bildung von Allianzen als pädagogisches und transformatives Instrument nachzudenken. Sie werden dies in 3 thematischen Blöcken oder Reflexionsebenen tun.

Die erste Reflexionsebene („Wir sind bereits aus Allianzen gemacht“) zielt darauf ab, über die Allianz aus der Sicht unserer eigenen Zusammensetzung als Individuen nachzudenken. Allianzen sind uns während unseres gesamten Lebenszyklus inhärent, wir sind aus ihnen zusammengesetzt. Dieser Teil stützt sich auf das breite Erbe der feministischen Literatur, um Ontologien als relational zu denken, und versucht, die Netzwerke, gegenseitigen Abhängigkeiten und Fürsorgearbeit sichtbar zu machen, die es uns ermöglichen, zu existieren, eine Idee zu entwickeln oder politisch zu handeln.

Auf der zweiten Ebene der Gruppenarbeit („Was lernen wir mit Allianzen?“) wird die Gruppe über die Art von Wissen nachdenken, die Allianzen ermöglichen. Wissen ist etwas, das nur dank der partiellen Verbindungen möglich ist, die situiertes Wissen erzeugen, ein Wissen, das kollektiviert und an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit verortet ist. Die Allianzen, auf die wir uns beziehen, wenden sich gegen den Extraktivismus und suchen nach einer horizontalen Arbeitsweise. Sie beruhen auf Respekt, auf der Schaffung und Aufrechterhaltung von Beziehungen gegenseitiger Unterstützung über einen längeren Zeitraum. Allianzen lehren uns, auf der Grundlage von Respekt zu arbeiten und die Unannehmlichkeiten und Spannungen, die mit dem Aufbau einer gemeinsamen Front verbunden sind, zu akzeptieren und zu schätzen. Allerdings sind Bündnisse auch endlich. Sie werden aufgebaut und wieder abgebaut, um die Parteien zu bereichern. Das heißt, wir sollten sie nicht essentialisieren und romantisieren, sondern vielmehr eine Praxis des Zuhörens und der Revision in Bezug auf Themen entwickeln, die uns gemeinsam am Herzen liegen. 

Die dritte Ebene („Strategische Allianzen und mögliche Zukünfte“) schließlich zielt darauf ab, die politische und zielgerichtete Dimension zu untersuchen, die Allianzen mit sich bringen. Dies kann sich zunächst darauf beziehen, wie absichtsvoll und strategisch Allianzen sind. Sie werden bewusst gewählt, um sich politisch zusammenzuschließen. Ein Beispiel dafür ist die Konstruktion politischer Identitäten, die durch Allianzen von Gruppen gebildet werden, die in ihrer Unterschiedlichkeit vereint sind. Gleichzeitig bezieht sich die Konstruktion von Allianzen auf die Konstruktion eines spezifischen politischen Horizonts, der auch Fiktionen über die Welten bietet, die wir gerne aufbauen würden. Auf dieser Grundlage werden die kleineren Gruppen in dieser letzten Stufe des Workshops versuchen, einen Entwurf konkreter Vorschläge für Bündnisse zu formulieren, die zum Aufbau einer stärker antirassistischen Universität beitragen können. 

Nach diesen drei Arbeitsphasen in den Kleingruppen kommen die Teilnehmer:innen wieder in die große Gruppe zurück. Zu diesem Zeitpunkt werden die Moderator:innen die Diskussion über den Mehrwert der eingeladenen Moderator:innen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen in die Diskussion über eine Pädagogik der Allianz einbringen. Sie haben an der Gruppenarbeit zusammen mit den Kursteilnehmer:innen teilgenommen und so ihre Erfahrungen zu diesem Thema eingebracht. Darüber hinaus haben sie vor Ort dazu beigetragen, mögliche Pläne für Allianzen zur Veränderung des Rassismus innerhalb und außerhalb der Universität zu entwickeln. Auf diese Weise soll der Workshop auf performative Weise den impliziten Wert von Allianzen zwischen verschiedenen Organisationen aufzeigen und gleichzeitig de facto dazu beitragen, diese Verbindungen herzustellen und zu stärken.

Zielsetzungen

  • Schaffung und Stärkung von Allianzen zwischen Hochschuleinrichtungen und anderen relevanten sozialen Akteur:innen zur Bekämpfung von Rassismus an der Universität durch die Einladung zur Teilnahme als Co-Moderator:innen des Workshops.  
  • Sichtbarmachen der Bedeutung von Allianzen und fürsorglichen Beziehungen im täglichen Leben von Menschen und Organisationen.
  • Darüber nachzudenken, wie das Bündnis durch die Kollektivierung von Wissen und die damit verbundenen Spannungen eine Quelle des Wissens sein kann.
  • Nachdenken über die politische Dimension von Allianzen und die damit verbundenen Veränderungsmöglichkeiten.
  • Reflexion über den Wert von Allianzen durch die Erfahrung des Austauschs mit Organisationen außerhalb der Hochschuleinrichtung.

Vorgehen

Vorherige Arbeit: Suche nach sozialen Akteuren zur Bildung von Allianzen.

Ein erster Schritt für die Person oder das Team, das den Workshop moderiert, ist die Suche nach möglichen Organisationen der Zivilgesellschaft, die zu dem Workshop eingeladen werden sollen. 

  • Als allgemeines Kriterium können die Moderator:innen Organisationen aus dem unmittelbaren Umfeld der Hochschuleinrichtung in Betracht ziehen. Dies ist ein erster Schritt, um im Laufe der Zeit dauerhafte Beziehungen zu schaffen bzw. bestehende zu verstärken.
  • Es ist interessant, nach Organisationen an Orten zu suchen, die nicht offensichtlich sind. Es ist zwar sinnvoll, sich an diejenigen zu wenden, die sich explizit mit der Bekämpfung von Rassismus befassen (z. B. Vereine von rassifizierten oder migrantischen Menschen), aber es ist auch wichtig, das Spektrum unserer Suche zu erweitern und darüber hinaus zu recherchieren. Insbesondere an Orten, an denen die erstgenannten nicht zu finden oder nicht so sichtbar sind, lautet die Botschaft, dass Rassismus ein strukturelles Problem ist, das die gesamte Gesellschaft betrifft, und dass daher Bündnisse für die Arbeit zu diesem Thema an der Universität von unerwarteten Orten kommen können. 
  • Einige Fragen, die wir uns stellen könnten, um unsere Suche zu lenken, sind: Was können wir in diesem Bündnis voneinander lernen? Welche Themen haben wir gemeinsam, und welche Themen können wir durch dieses Bündnis stärker angehen? 
  • Sobald der Kontakt hergestellt ist und die Dynamik der Übung erklärt wurde, werden die Struktur der Sitzung und die verschiedenen Fragen und Themen mit ihnen besprochen. Die Verbündeten werden den Workshop gemeinsam mit dem Organisationsteam der Hochschuleinrichtung leiten.

Gruppenübung im persönlichen Gespräch

Im Folgenden wird eine mögliche Struktur für die Dynamisierung der Übung im Präsenzmodus beschrieben, wobei eine Dauer von insgesamt 3 Stunden vorgeschlagen wird, die an die verfügbare Zeit angepasst werden kann. Wird die Übung virtuell durchgeführt, empfiehlt es sich, die Dauer auf 1,5 Stunden zu verkürzen. Ein Beispiel für eine Struktur ist im BRIDGES Virtual Lab zu sehen. 

Zusammenfassung

  1. Einführung: 20 min.
  2. Teil 1: Erste Runde der Gruppenarbeit: 40 Min.
  3. Teil 2: Erstes Plenum zum Austausch von Zwischenergebnissen: 25 min.
  4. Pause: 15 min.
  5. Teil 3: Zweite Runde der Gruppenarbeit: 50 min.
  6. Teil 4: Zweiter Austausch und Abschluss: 30 min.

1. Einführung

20 minuten

  • Erläuterung des allgemeinen Rahmens der Aktivität und ihrer Struktur.
  • Vorstellung der Co-Moderator:innen, die bei uns sind (teilen Sie die Zeit nach den Organisationen auf, die wir haben). 

Erläutern Sie: 

  1. die Haupttätigkeit der Organisation
  2. die mögliche Beziehung zum Kampf gegen Rassismus an der Universität.

2. Erste Runde der Kleingruppenarbeit

40 minuten

Die Teilnehmer:innen werden in Gruppen von 3-5 Personen aufgeteilt. Mindestens ein/e Vertreter:in einer zivilgesellschaftlichen Organisation nimmt an jeder dieser Gruppen als weiteres Mitglied teil. Etwa 40 Minuten sind der Reflexion über einige der hier gesammelten Fragen gewidmet. Die nachstehende Liste muss nicht alle Fragen beantworten, sondern dient als Leitfaden für das Gespräch in der Gruppe. Es kann sinnvoll sein, sie alle zu lesen und von einer bestimmten Erfahrung der eingeladenen Moderator:innen oder anderer Teilnehmer:innen auszugehen.

Leitfragen für die Reflexionsebenen „Wir bestehen bereits aus Allianzen“ und „Was lernen wir mit Allianzen?“

  • Über die Präsenz von Allianzen in unserem Leben:
    • Welche Beziehungen haben uns am Leben erhalten? Welche Allianzen waren wichtig für unsere politische Arbeit?
  • Pflege, Interdependenz, gegenseitige Unterstützung und Gegenseitigkeit:
    • Menschliche Beziehungen bedürfen zu ihrer Aufrechterhaltung der Pflege. Welche Art von Fürsorge erfordert der Aufbau von Allianzen? Was verstehen wir unter gegenseitiger Unterstützung und wie lässt sich diese in einem Bündnis umsetzen?
  • In einem Kontext, in dem wir zunehmend wissen, dass wir voneinander abhängig sind:
    • Wie gehen wir mit unseren Unterschieden innerhalb von Allianzen um, um gegenhegemoniale Antworten zu finden (antirassistisch, antipatriarchalisch…)? Was würden Praktiken der Reziprozität in einem Bündnis implizieren? Müssten sie bidirektional sein oder können sie als Unterstützungskette zwischen Gruppen zirkulieren, ohne dass ein Hin und Her erforderlich ist? 
  • Lernen ist eine kollektive Anstrengung:
    • Denken Sie an eine Erfahrung, bei der Sie gelernt haben, Ihren gewohnten Platz zu verlassen, oder bei der Sie auf heterogenes und divergierendes Wissen gestoßen sind. Erzählen Sie der Gruppe davon. 
    • Wie erkennen wir die verschiedenen Genealogien, die uns ausmachen? In diesen Verbindungen werden die Grenzen und der gegenseitige Respekt für die Arbeit und das Wissen und die Erfahrung jeder Gruppe gehandhabt. 
  • Über den Wert des Unbehagens als Quelle des Lernens:
    • Welche Faktoren führen dazu, dass ein Bündnis funktioniert oder nicht funktioniert? Eine Möglichkeit, über den Wert von Allianzen nachzudenken, besteht darin, über diejenigen nachzudenken, die in Spannung gehalten werden. Warum ist diese Beziehung erhaltenswert? Warum sollte man diese Verbindung aufrechterhalten? Welchen Wert haben diese Verbindungen, die uns herausfordern und unsere Positionen in Frage stellen? Welche Art von Wissen können wir im Unbehagen finden?

3. Erste Plenarsitzung zum Austausch von Zwischenergebnissen

25 minuten

Nach Ablauf der ersten 40 Minuten treffen sich die kleineren Gruppen wieder in der großen Gruppe, und die wichtigsten Themen, die sich herauskristallisiert haben, werden ausgetauscht.

4. Pause

15 minuten

5. Wohin führen uns Bündnisse?

50 minuten

Die Gruppe wird wieder in dieselben kleineren Gruppen wie zuvor aufgeteilt, um die dritte Ebene der Reflexion über Bündnisse zu behandeln. In diesem letzten Teil arbeiten die Gruppen an der Formulierung eines Entwurfs für einen konkreten Vorschlag, wie Allianzen uns zu einer stärker antirassistischen Universität verhelfen können. Einige Fragen, die diese Diskussion leiten könnten, sind:

  • Welche möglichen Bündnisse können zwischen der Universität und anderen gesellschaftlichen Akteur:innen geschlossen werden, um den Rassismus an der Universität zu bekämpfen?
  • Welches Bild von der Universität vermittelt uns diese Vision durch Allianzen?
  • Wie können Allianzen uns helfen, eine integrative Universität zu schaffen?

6. Abschlussplenum und Beendigung des Workshops

30 minuten

Die kleineren Gruppen tauschen ihre Ideen darüber aus, wie Allianzen die Universität verändern können. Die Intervention des Moderator:innen-Teams kann in die Richtung gehen, zu unterstreichen, dass die gemeinsame Arbeit eine Leistung des gleichen Bündnisses war. Die Anwesenheit von Organisationen der Zivilgesellschaft dient als konkreter Hinweis darauf, wie ein Bündnis im antirassistischen Kampf aussieht, da sie sich mit uns im selben Raum befinden. Worin besteht der Wert dieser gemeinsamen Arbeit? Wie fügt Ihre Erfahrung der antirassistischen Arbeit an der Universität neue Linien hinzu?

Für die Durchführung erforderliche Materialien und Ressourcen

Face-to-Face-Modalität

Die Moderator:innen können einen Raum wählen, der die Mobilität von Stühlen und anderen Möbeln ermöglicht, um den Wechsel von kleineren Gruppen zu großen Gruppen zu erleichtern. Darüber hinaus ist es ratsam, eine visuelle Unterstützung wie eine Tafel zu verwenden, um die wichtigsten diskutierten Punkte zu sammeln.

Online-Modalität

Für die Durchführung des Workshops im Online-Modus kann eine Videokonferenz-Anwendung genutzt werden, die das Arbeiten in kleineren Gruppen in getrennten Räumen ermöglicht. Obwohl die Online-Modalität die soziale Dynamik der Workshops verändern kann, öffnet sie auch die Tür, um zivilgesellschaftliche Organisationen einzuladen, die weit von ihrem physischen Sitz an der Hochschuleinrichtung entfernt sind. Um die Unterstützung durch eine Tafel zu ersetzen, können Online-Plattformen wie Miro verwendet werden (siehe Beispiel der BRIDGES-Sommerschule im BRIDGES Virtual Lab).