C3

Arbeitsblätter zum kritischen Unterrichten
Die Gefahren der Einzelgeschichte

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Kurzbeschreibung

Die beiden Übungen sollen zum gemeinsamen Nachdenken und zur Analyse der Rolle von Rassismus, Kolonialismus und Diskriminierung in Hochschuleinrichtungen anregen. Ausgehend von dekolonialen feministischen Perspektiven geht es darum, zu verstehen, welche Mechanismen zur Aufrechterhaltung westlicher Kolonialmacht in spezifischen sozio-historischen Kontexten beitragen. Die gemeinsame Erarbeitung theoretischer und politischer Positionen ermöglicht es uns zu verstehen, wie bestimmte Arten von Wissen oder Wissensformen legitimiert werden und auf welche Weise dominante Lehrpraktiken sichtbare und unsichtbare Hierarchien reproduzieren. 

Diese Übungen befassen sich auch mit Spannungen in Bezug auf die Bedeutung von Hochschuleinrichtungen bei der Umgestaltung ungleicher Gesellschaften. Feministische dekoloniale Perspektiven können zur Dekonstruktion von Bedeutungen und Praktiken beitragen, die Unterdrückung reproduzieren, sowie zur Schaffung von Wissen und Pädagogik, die in der Lage sind, Horizonte der Emanzipation und des sozialen Wandels zu eröffnen. Diese Bemühungen müssen sich jedoch ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie Universitäten, die historische Stätten der kolonialen Wissensproduktion sind, sich mit dem von kritischen Strömungen vorgeschlagenen antihegemonialen Wissen auseinandersetzen können.

Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe wird eine der Übungen bearbeiten und eine Collage erstellen, die ihre Überlegungen zusammenfasst. In einer Gruppendiskussion werden die verschiedenen Elemente, über die jede Gruppe nachgedacht hat, gemeinsam besprochen. 

Verfahren

 Vorherige Aktivität: TED-Vortrag der feministischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ansehen.

Der erste Schritt besteht darin, die Aktivität vorzustellen und die Teilnehmer in zwei gleich große Gruppen aufzuteilen. Jede Gruppe wird eine der Übungen bearbeiten (10 Minuten). 

Aktivität
Übung "Arbeitsblätter zur kritischen Lehre"

50 minuten

Sie besteht aus einer Reihe von Arbeitsblättern mit Leitfragen zur kritischen Reflexion von Lehr- und Lernpraktiken (siehe Übung im Bridges Toolkit). Es werden fünf Bereiche für die Reflexion und die Erstellung von Vorschlägen angeboten:

  1. Lehrprogramme
  2. Lernräume
  3. pädagogische Praktiken und Interaktionen
  4. Beziehung zum lokalen Kontext
  5. Formen der Bewertung

Die Arbeitsblätter werden in Untergruppen ausgefüllt (1 Arbeitsblatt pro Untergruppe).

Schritt 1

20 minutes

Jede Untergruppe, die diese Übung durchführt, muss eines der folgenden Arbeitsblätter besprechen.

Das Programm oder der Lehrplan

  • Sind Sie der Meinung, dass sich der Lehrplan an Ihre Lernbedürfnisse anpasst? Wenn nicht, wie könnte es Ihrer Meinung nach an diese angepasst werden?
  • Kommen die verwendeten Literaturhinweise überwiegend aus dem globalen Norden (Europa / USA)?
  • Wie berücksichtigt das Curriculum die Vielfalt (Herkunft, Geschlecht, Klasse usw.) der weltweiten akademischen Entwicklungen im Fachgebiet?
  • Glauben Sie, dass einige der Inhalte Ihres Kurses für einige Studierende aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Klasse, ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft, ihrer Hautfarbe usw. anstößig sein könnten? In welcher Weise?
Das Programm oder der Lehrplan
  • Wie ist der physische Raum, in dem Sie den Unterricht besuchen, gestaltet? Empfinden Sie ihn in Bezug auf Licht, Temperatur, Zugänglichkeit usw. als angenehm?
  • Welche Art von Beziehungen fördert der Unterrichtsraum (z. B. eine vertikale Beziehung mit einem Podium für die Lehrer)?
  • Glauben Sie, dass dieser Raum Ihre aktive Beteiligung am Lernen erleichtert, und wenn ja, in welcher Weise?
  • Wie kann man Ihrer Meinung nach in den Raum eingreifen, um Räume des Dialogs zwischen Dozierenden und Studierenden sowie zwischen den Student:innen zu fördern?
Die Gestaltung des Lernraums
  • Wie ist der physische Raum, in dem Sie den Unterricht besuchen, gestaltet? Empfinden Sie ihn in Bezug auf Licht, Temperatur, Zugänglichkeit usw. als angenehm?
  • Welche Art von Beziehungen fördert der Unterrichtsraum (z. B. eine vertikale Beziehung mit einem Podium für die Lehrer)?
  • Glauben Sie, dass dieser Raum Ihre aktive Beteiligung am Lernen erleichtert, und wenn ja, in welcher Weise?
  • Wie kann man Ihrer Meinung nach in den Raum eingreifen, um Räume des Dialogs zwischen Dozierenden und Studierenden sowie zwischen den Student:innen zu fördern?

Unterrichtspraxis und Interaktionen im Klassenzimmer

  • Wie beeinflussen Ihrer Meinung nach die Machtverhältnisse zwischen Dozierenden und Studierenden die Beobachtung des Themas?
  • Welche Beziehungen werden zwischen Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen nationalen, ethnischen, religiösen Herkunft usw. hergestellt? Haben Sie Prozesse der Ausgrenzung und/oder Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts festgestellt?
  • Haben Sie irgendeine Art von Diskriminierung aufgrund Ihrer Hautfarbe, Ihrer Herkunft oder Ihres Geschlechts erlebt? Glauben Sie, dass Sie an Dynamiken der Ausgrenzung und/oder Diskriminierung von bestimmten Personengruppen beteiligt waren, und wenn ja, wie haben Sie sich dabei gefühlt?
  • Was sind Ihrer Meinung nach die Hindernisse und Erleichterungen für Ihre Teilnahme am Lernprozess?
  • Sind Sie der Meinung, dass der Kurs offen ist für die Nutzung von Referenzen (Bibliographie, Videos, Webseiten, etc.) aus verschiedenen Teilen der Welt und in verschiedenen Sprachen, in welcher Weise könnte das Spektrum der Referenzen und Materialien in diesem Sinne erweitert werden?
Der lokale Kontext
  • Wie bezieht sich der Kursinhalt auf den lokalen Kontext Ihrer Universität?
  • Werden im Unterricht Inhalte oder Aktivitäten vorgeschlagen, die sich auf den lokalen Kontext beziehen?
  • Inwieweit sind Sie der Meinung, dass die angebotenen Themen nützlich sein können, um an Problemen oder Bedürfnissen zu arbeiten, die in dem sozialen Kontext, in dem Sie sich befinden, bestehen?
  • Glauben Sie, dass die Zusammensetzung der Studierendenschaft die verschiedenen sozialen, ethnischen oder religiösen Gruppen in der Gesellschaft, in der Sie leben, widerspiegelt?
  • Welche sozialen Gruppen sind Ihrer Meinung nach in den Klassenzimmern nicht oder unterrepräsentiert? Was sind Ihrer Meinung nach die Hindernisse, auf die Menschen beim Zugang zu einem Hochschulstudium stoßen? Haben Sie bei Ihren Überlegungen auch den strukturellen Rassismus berücksichtigt?

Bewertungsprinzipien und -praktiken

  • Sind Sie der Meinung, dass die Bewertungen kulturell bedingt sind und daher bestimmte Ausdrucksformen bevorzugen (z. B. mündlich gegenüber schriftlich)?
  • Sind Sie der Meinung, dass die Beurteilungen die Vielfalt im Klassenzimmer berücksichtigen (z. B. ob sie den Bedürfnissen derjenigen gerecht werden, die die Mehrheitssprache nicht vollständig beherrschen oder sehbehindert sind)?
  • Gibt es partizipative Verfahren zur Planung alternativer Bewertungsformen (z. B. durch Diskussion mit der Schülerschaft)?

Schritt 2

30 minutes

Die Antworten werden diskutiert, wobei für jeden der bearbeiteten Bereiche etwa 5 Minuten zur Verfügung stehen. Die wichtigsten Schlussfolgerungen werden in einer gemeinsamen Collage zusammengefasst.

 

Aktivität B
Übung "Die Gefahren der einzelnen Geschichte"

50 minuten

Diese Übung bezieht sich auf das Video des TED-Vortrags der feministischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, die die Beziehung zwischen der Produktion von Wissen und der Reproduktion von Herrschaft sowie die epistemischen Alternativen und Praktiken anspricht, die antirassistische Kämpfe nähren können (siehe Übung im Bridges Toolkit). Anhand verschiedener Fragen werden die Teilnehmer:innen (in Untergruppen) eingeladen, diese Themen zu diskutieren. 

Schritt 1

20 minuten

Die Teilnehmer:innen werden gebeten, die folgenden Fragen in kleinen Gruppen zu beantworten und ihre Diskussion zusammenzufassen.

  • Chimamanda Ngozi Adichie verweist auf „einzelne Geschichten“, die ihre Vorstellungskraft beeinflussten, sowie auf die „einzelnen Geschichten“, die andere von ihr hatten. Können Sie diese aufzählen? 
  • Mit welchen „Einzelgeschichten“ sind Sie aufgewachsen und wann haben Sie deren Komplexität erkannt?
  • Wie hat diese Erkenntnis Ihre Beziehung zu sich selbst, zu den Menschen um Sie herum und zu der Welt, in der Sie leben, verändert?
  • In ihrem Vortrag sagt Chimamanda Ngozi Adichie, dass es unmöglich ist, über „die einzelne Geschichte“ zu sprechen, ohne über Macht zu reden. Welche Machtverhältnisse meint sie damit?
  • Weiter führt sie aus, dass „Geschichten dazu benutzt werden, Menschen zu enteignen, aber sie können auch dazu benutzt werden, sie zu ermächtigen; Geschichten können die Würde der Menschen brechen, aber sie können diese gebrochene Würde auch wiederherstellen.“ Wie können ihrer Meinung nach alternative Geschichten erzählt werden? Könnten diese „Einzelgeschichten“ Ihrer Meinung nach einfach durch Hinzufügen und Einbeziehen neuer Elemente entschärft werden, oder würden sie eine radikale Veränderung des Verständnisses der Situation erfordern? 
  • Welche „Einzelgeschichten“ werden in Bezug auf die Teilnehmer:innen, die Sie unterrichten oder studieren, erzählt?

Schritt 2

30 minuten

In einer Gruppendiskussion wird gemeinsam über die verschiedenen Elemente nachgedacht, die jede Untergruppe diskutiert hat. Die wichtigsten Schlussfolgerungen werden in einer gemeinsamen Collage zusammengefasst.

Der letzte Schritt besteht darin, dass jede der Gruppen, die die verschiedenen Übungen durchgeführt haben, die erstellte Collage kurz der Gesamtgruppe erläutert, die gemeinsam die Zusammenfassungen und Schlussfolgerungen der Übungen diskutiert (30 Minuten). 

Hinweis
Sie können das Thema mit den Aktivitäten in den „Decolonize Education“-Übungen des Bridges-Toolkits weiter vertiefen.

Für die Durchführung erforderliche Materialien und Ressourcen Materialien

Für die Face-to-Face-Modalität ist es notwendig, dass die Teilnehmenden einen Computer oder Materialien für die Erstellung der Collagen mitbringen (z.B.: Schere, Kleber, Farbstifte, Zeitschriftenausschnitte, Flipcharts).

Leseliste BRIDGES Tools

Ergänzende Literatur und Videos

  • Ahmed, S. (2012). On being included: Rassismus und Vielfalt im institutionellen Leben. Duke University Press.
  • Bhambra, G. K., Gebrial, D., & Nişancıoğlu, K. (2019). Decolonising the university. Pluto Press. 
  • Cacopardo, Ana (2018). Historias debidas VIII: Silvia Rivera Cusicanqui. Canal Encuentro. Argentina.
  • Lander, Edgardo (Comp.) (2000). La Colonialidad del saber: eurocentrismo y ciencias sociales. Perspectivas latinoamericanas. Buenos Aires: CLACSO. 
  • Lugones, M. (2010) „Toward a Decolonial Feminism“. Hypatia 25: 742-759. https://doi.org/10.1111/ j.1527-2001.2010.01137
  • NUS-Kampagne Schwarzer Studenten. Warum ist mein Lehrplan weiß? 
  • Owusu, Melz. Die Entkolonialisierung des Lehrplans. TEDxUniversität von Leeds. 
  • Tate, Shirley Anne & Bagguley, Paul (2017). Aufbau der antirassistischen Universität: Die nächsten Schritte. Race Ethnicity and Education, 20(3), 289-299. DOI: 10.1080/13613324.2016.12602